No-one has ever become poor by giving

- Anne Frank

Hund auf's Herz - BLOG

02/06/2022

neues Leben - besseres Leben?

20210807_144151.jpgWieder eine Vermisstenmeldung eines Hundes. Nicht nähern da Angsthund - ausländischer Chip - noch nicht registriert - erst seit ein paar Tagen in der Schweiz. Also wieder einer dieser “geretteten” Hunde.

Womöglich ein ehemaliger Strassenhund. Ein Streuner, der seinen Urinstinkten folgend in Freiheit gelebt hat. Oft leben sie in Gruppen, vielleicht mit einem Bruder oder womöglich hat er sich auch alleine durchgeschlagen. Diese Hunde ziehen umher, auf der Suche nach Futter, einer Partnerin oder nach einem geeigneten Schlafplatz. Aber sind diese Hunde unglücklich? Müssen sie denn wirklich “gerettet” werden?

In erschreckender Regelmässigkeit und Anzahl werden solche Hunde eingefangen, in Zwinger gesperrt, kastriert, dann in Boxen verladen und auf stundenlangen Transporten in die Schweiz gekarrt oder geflogen, wo sie freudig von ihren neuen Familien erwartet werden, die sich ihr neues Familienmitglied auf einem Bild im Internet ausgesucht haben.

Ich bin absolut dafür, dass man bedrohte, misshandelte oder verletzte Tiere beschützt und umsorgt. Es ist kein Geheimnis, dass ausgediente Jagdhunde in einigen Ländern auf bestialische Weise entsorgt werden. Soll man solche Hunde retten? JA unbedingt! Mit jeder Faser meines Körpers leide ich mit solchen Tieren mit und ich wünsche mir für jede einzelne dieser armen Seelen, dass sie einen Platz finden, wo sie als Familienhunde erfahren dürfen was es heisst, geliebt zu werden. Von mir aus auch in der Schweiz.

Ich vernehme einen tiefen Seufzer von einem unserer dösenden Hunde. Ich lächle und taste nach dem weichen Fell. Es ist Eiko, der zufrieden seine Nase zwischen seinen Pfoten vergräbt und sich in seinem weichen Hundebett räkelt.

Und da ist er, der Spiegel der mir sagt: Du bist keinen Deut besser. Denn Eiko ist ein ehemaliger Strassenhund. Ein spanischer Streuner, der zusammen mit seinem Bruder “gerettet” wurde. Ich spalte Haare, wenn ich mir sage, dass ich ihn ja nicht selber in die Schweiz geholt habe. Er war bereits auf einer Pflegestelle in der Schweiz, als ich ihn übernommen habe. Erfolglose Gewissensberuhigung. Denn mir ist absolut klar, mit jedem platzierten Hund wird wieder ein Platz frei für einen neuen “geretteten” Hund. Das Hamsterrad dreht sich weiter.

Immer und immer wieder frage ich mich: Bist du wohl glücklich mit deinem neuen Leben Eiko? 
Um mich zu beruhigen hole ich mir Bilder vor mein geistiges Auge, wie du aufgestellt über die Felder flitzt, wie du zufrieden in deinem warmen Bettchen döst, während es draussen stürmt und regnet. Wie du motiviert mitmachst in der Hundeschule oder wie du deine Streicheleinheiten geniesst. Wie du sorglos in der Sonne oder im flauschigen Körbchen schläfst und dich jeden Tag über den gefüllten Napf her machst, den wir dir hinstellen. Das ist doch ein schönes Leben oder?

Ich rede mir ein, dass du mit deinem neuen Leben Frieden geschlossen hast und glücklich bist. Denn ich ertrage den Gedanken nicht, dass ich dabei geholfen habe dir die Freiheit zu nehmen.

Welches Leben würdest du wohl wählen Eiko?
Ist dein neues Leben wirklich ein besseres Leben?

Admin - 13:49:51 | Kommentar hinzufügen

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